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Methodische Empfehlungen für die ökonomische Evaluation von eHealth-Applikationen in Österreich 2018


linkBericht eHealth methodische Empfehlungen (1.1 MB)

linkProjektpräsentation eHealth methodische Empfehlungen  (662.7 KB) 


Abstract

 

Hintergrund:

Eine stetig wachsende Nachfrage nach Gesundheits- und Pflegeleistungen stellt die Nachhaltigkeit bestehender sozialer Gesundheits- und Pflegesysteme zunehmend infrage, weshalb Innovationen, die zu einer effizienteren Nutzung knapper Ressourcen führen können, zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dem Einsatz von Informations- und Kommunikations-technologien, kurz „eHealth“, in der bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung, wird das Potential zugesprochen, die Effizienz der Leistungserbringung, den Zugang zu Leistungen, sowie die Qualität der Gesundheitsversorgung nachhaltig zu verbessern, jedoch stehen Entscheidungsträger vor der generellen Herausforderung, unter dem stetig wachsenden Angebot jene Innovationen zu identifizieren, die den größtmöglichen Nutzen bei vertretbaren Kosten stiften. Gesundheitsökonomische Evaluationen können in diesem Kontext wertvolle Informationen zur Entscheidungsunterstützung liefern, allerdings besteht überwiegend die Auffassung, dass eine Anpassung der Evaluationsmethodik auf das Innovationsbündel „eHealth“ erforderlich ist.

Ziele:

Diese Studie verfolgt das Ziel, den gegenwärtigen Kenntnisstand zur ökonomischen eHealth-Evaluation zusammenzufassen, und methodische Empfehlungen für die gesundheitsökonomische Evaluation von eHealth in Österreich zu erstellen. Außerdem werden bestehende Strukturen und Entscheidungsprozesse bezüglich der Identifikation, Priorisierung, Implementierung und Skalierung von eHealth in europäischen Nachbarländern anhand einer Reihe von Praxisbeispielen untersucht.

Methoden:

Die methodischen Empfehlungen basieren auf einer systematischen Analyse der internationalen wissenschaftlichen Literatur zur ökonomischen eHealth-Evaluation. Einzuschließende Studien wurden zunächst durch einen „Review von Reviews“ im Rahmen einer Datenbankrecherche in Pubmed, der Cochrane Library und Google Scholar sowie einer umfassenden händischen Weiterverfolgung potentiell relevanter Beiträge identifiziert und anschließend bezüglich methodischer Empfehlungen analysiert. Die Praxisbeispiele wurden anhand bestehender Datenbanken und Übersichtsarbeiten auf Europäischer Ebene identifiziert und in erster Linie anhand wissenschaftlicher Publikationen, Guidelines, Strategiepapiere und Policy Briefs, Jahresberichte der involvierten Organisationen, Informationen auf den entsprechenden Websites, sowie verfügbarer sonstiger grauer Literatur analysiert. Unterstützend wurden in einem Fallbeispiel auch Telefoninterviews durchgeführt.

Ergebnisse:

Von 530 Beiträgen (nach der De-Duplizierung) wurden 21 Studien in die qualitative Synthese im Rahmen der systematischen Literaturrecherche eingeschlossen. Aufgrund der verfügbaren Literatur konnten detaillierte Empfehlungen zur Perspektive, den Vergleichsalternativen, der Wahl der Studienmethodik, der klinischen Effektivität, der Modellierung, der iterativen Technologiebewertung, dem Zeithorizont und der Diskontierung, den Kosten und Outcomes, der Methode der Nutzwerterhebung sowie der Übertragbarkeit der Studienergebnisse erarbeitet werden. Wesentliche Unterschiede zu bestehenden Guidelines (z.B. im Rahmen der pharmakoökonomischen Evaluation) existieren im Bereich der Wahl der (oftmals komplexen) Vergleichsalternativen, der ökonomischen Perspektive, der Durchführbarkeit klinischer Studien, sowie dem Erfordernis einer frühen und iterativen Technologiebewertung.

Im Rahmen der Praxisbeispiele wurde eHealth in Dänemark aus einer Systemperspektive betrachtet, das Schottische Zentrum für Telehealth und Telecare (SCTT) aus einer Organisationsperspektive, sowie die in Deutschland implementierte Arztentlastende, Gemeindenahe, E-Healthgestützte, Systemische Intervention (AGnES) aus einer Interventions- bzw. Technologieperspektive. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Formulierung nationaler Strategien, der Einbezug relevanter Stakeholder auf allen politischen Ebenen, die Schaffung dezidierter Institutionen sowie eine zielgerichtete und koordinierte finanzielle Technologieförderung wesentliche Erfolgsfaktoren für die Weiterentwicklung von eHealth auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene sind. Gesundheitsökonomische Evaluationen gewinnen bei der Entscheidungsfindung im Rahmen der Implementierung von eHealth-Innovationen zunehmend an Bedeutung.

Schlussfolgerungen:

Die spezifischen Charakteristika des Innovationsbündels eHealth erfordern eine Adaption ökonomischer Evaluationsmethodik in gewissen Bereichen, und mit der vorliegenden Studie konnten erste Empfehlungen für die ökonomische eHealth-Evaluation in Österreich erarbeitet werden. Eine Weiterentwicklung dieser Empfehlungen sowie die Entwicklung formeller Entscheidungsstrukturen für die Identifikation, Priorisierung, Implementierung und Skalierung von eHealth unter Einbezug relevanter Stakeholder auf allen politischen Ebenen in Österreich ist zu empfehlen.