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Infrarot-Thermographie im Screening und der Diagnose von Brustkrebs


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Kurzfassung

 

Indikation und therapeutisches Ziel

Thermographie wurde ursprünglich für militärische Zwecke in den 1950er entwickelt, von den späten 50er bis in die frühen 70er wurde die Thermographie zur Detektion von Brustkrebs angewendet Verbesserte Genauigkeit der Infrarot Kamera Technologie und bessere Computersoftware haben zu einem erneuten Interesse an der Thermographie als potentielle diagnostische Methode zur Brustkrebserkennung und als Screeningmethode geführt. Thermographie misst die Wärmeabstrahlung der Brust und hat im Gegensatz zur Mammographie keine Strahlenexposition und ist berührungsfrei

 

Beschreibung der Technologie

Die Technologie basiert auf der Annahme, dass die über einem Karzinom liegende Haut eine höhere Temperatur aufweist als die über einer gutartigen Veränderung oder normalem Gewebe. Insbesonders für die Brustkrebserkennung wird angenommen, dass eine asymmetrische Temperaturverteilung der Brust auf vaskuläre Veränderungen oder bösartige Veränderungen in dieser Region hinweist.

 

Methodik

Es erfolgte eine Suche in PubMed, Cochrane Library, Centre for Reviews and Dissemination (CRD) sowie eine Suche in Referenzen der inkludierten Publikationen. Eingeschlossen wurden systematische Übersichtsarbeiten, Health Technology Assessments (HTAs) und Primärstudien nach 2014, die Thermographie mit Mammographie hinsichtlich Sensitivität und Spezifität vergleichen. Die Suche nach zusätzlichen Informationen aus dem Internet wurde mit einer generellen Suchmaschine (Google scholar) durchgeführt.

 

Ergebnisse

Es wurden 5 systematische Übersichtsarbeiten und 3 Primärstudien inkludiert.

Die in die systematischen Übersichtsarbeiten inkludierten Studien im Screeningsetting waren von moderater bis guter Qualität. Diese Studien zeigen, dass die Sensitivität der Thermographie im Screening von Brustkrebs niedrig ist (median 47%). Die Ergebnisse der Studien zur Thermographie im diagnostischen Setting sind sehr heterogen [13]. Eine Meta-Analyse von 8 diagnostischen Kohortenstudien zur Thermographie zeigte Sensitivitäten zwischen 25% und 96.7% (median 82%) und Spezifitäten zwischen 11.8% und 84.9% (median 55%).

 

Diskussion

Studien zeigen, dass die Sensitivität der Thermographie im Screening von Brustkrebs niedrig ist. Bis dato wurden keine randomisierten kontrollierten Studien durchgeführt, die die Effektivität von Thermographie mit der Mammographie in asymptomatischen Frauen verglichen haben. Die Ergebnisse der Studien zur Thermographie im diagnostischen Setting sind sehr heterogen. Die falsch positive Rate von Thermographie ist in Screeningstudien (median 31%) als auch in Studien im diagnostischen Setting (median 29%) annähernd gleich. Das bedeutet, dass Thermographie in annähernd einem Drittel der Frauen ein falsch positives Ergebnis bringt.

 

Conclusio

Es gibt eine limitierte Evidenz von moderater bis guter Qualität, dass die Thermographie keine effektive Screeningmethode für Brustkrebs ist. Thermographie als diagnostische Methode zur Brustkrebsentdeckung bei symptomatischen Frauen hat sowohl eine hohe Rate an falsch positiven und falsch negativen Ergebnissen. Thermographie kann anhand der derzeitigen Datenlage weder als Screening Methode noch als diagnostische Methode empfohlen werden.